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Agentic Commerce: Wenn KI nicht nur berät, sondern einkauft
Und was Marketing jetzt tun muss
18.02.2026
Thomas Scheer
Online-Commerce war lange ein ziemlich klares Spiel: Menschen suchen, vergleichen, klicken und kaufen. Aber genau dieses Muster beginnt sich gerade zu verschieben – und zwar deutlich schneller, als viele es im Alltag schon merken.
Die nächste Entwicklungsstufe heißt: Agentic Commerce. Dabei übernimmt eine KI nicht nur die Beratung, sondern handelt aktiv im Auftrag der Nutzer. Sie sucht Produkte, bewertet Optionen, stellt Warenkörbe zusammen – und wird perspektivisch auch selbst Käufe auslösen können.
Für Marken und Shops bedeutet das: Die entscheidende Frage lautet bald nicht mehr nur „Wie bringe ich Menschen auf meine Website?“ sondern auch:
„Wie sorge ich dafür, dass KI-Agenten mich überhaupt auswählen?“
Was genau ist Agentic Commerce?
Ein KI-Agent ist mehr als ein Chatbot mit netten Antworten. Er arbeitet zielorientiert:
Du gibst ein Ergebnis vor („Ich brauche Laufschuhe unter 150 €, Lieferzeit max. 2 Tage“) und der Agent erledigt den Rest.
Der Unterschied zur bisherigen KI-Nutzung ist entscheidend:
- Assistenz: KI hilft beim Denken (Empfehlungen,Vergleiche, Zusammenfassungen)
- Agent: KI hilft beim Handeln (Prozessschritte ausführen, Systeme nutzen, Entscheidungen vorbereiten)
Und genau deshalb verändert sich das Spiel im Marketing.
Warum das kommt – und warum es nicht nur ein Trend ist
Agentic Commerce entsteht nicht aus einem „Hype“, sondern weil mehrere Dinge zusammenlaufen:
- KI wird in Such- und Shopping-Erlebnisse integriert
- Nutzer erwarten weniger Aufwand und schnellere Ergebnisse
- Plattformen schaffen die technischen Voraussetzungen (Katalogdaten, Bezahlung, Automatisierung)
- Unternehmen profitieren, wenn Kaufprozesse effizienter werden (vor allem im B2B)
Agenten sind der logische nächste Schritt, wenn digitale Käufe immer mehr zu „Erledigungen“ werden.
Herausforderung 1: Sichtbarkeit verändert sich
In der klassischen Customer Journey war Visibility vor allem eine Frage von:
SEO, Ads, Landingpages, Conversion-Optimierung.
Mit Agentic Commerce entsteht eine zusätzliche Ebene:
Nicht nur Menschen entscheiden, was sie sehen – Agenten filtern vor.
Das hat Konsequenzen:
- Weniger Klicks auf Websites, weil die Auswahl schon vorher passiert
- Mehr „Zero-Click“-Erlebnisse, in denen die Entscheidung innerhalb einer KI-Oberfläche fällt
- Marken müssen in Auswahl-Logiken auftauchen, nicht nur in Suchergebnissen
Für Marketing heißt das: Inhalte und Angebote müssen so aufbereitet sein, dass sie maschinenlesbar, bewertbar und eindeutig sind.
Herausforderung 2: Produktdaten werden zum entscheidenden „Marketing-Asset“
KI-Agenten können nur dann gut entscheiden, wenn sie gute Informationen bekommen.
Und das klingt banal – ist aber oft die größte Baustelle:
- unklare Produktvarianten
- fehlende Attribute
- widersprüchliche Lieferzeiten
- technische Begriffe ohne Erklärung
- Medien ohne Kontext
Agenten brauchen keine schöne Story. Sie brauchen saubere Entscheidungsgrundlagen:
- eindeutige Produktmerkmale
- klare Preis-/Verfügbarkeitsdaten
- Liefer- und Rückgaberichtlinien
- standardisierte Identifikatoren
- strukturierte Daten (damit Systeme sie korrekt interpretieren)
In vielen Unternehmen ist das der Moment, in dem man merkt:
PIM/Datenqualität ist nicht „IT-Kram“, sondern Marketing-Voraussetzung.
Herausforderung 3: Vertrauen, Regeln und Kontrolle werden Pflicht
Sobald Agenten im Einkaufsprozess aktiver werden, wird das Thema „Kontrolle“ wichtiger – vor allem im B2B.
Denn dann stellen sich neue Fragen:
- Darf ein Agent automatisch bestellen oder nur vorbereiten?
- Gibt es Budgets, Freigaben, Limits?
- Wie nachvollziehbar sind Entscheidungen?
- Was passiert bei Retouren, Reklamationen, Preisänderungen?
Agentic Commerce funktioniert nur stabil, wenn Unternehmen eine klare Governance mitdenken:
Transparenz, Regeln, Sicherheit – ohne den Prozess wieder kaputt zu machen.
Was bringt das am Ende?
Wenn Daten stimmen, Prozesse greifen und Vertrauen aufgebaut ist, entstehen ziemlich starke Effekte:
Im B2C:
- Agenten erstellen „perfekte Vorschläge“ basierend auf Vorlieben und Budget
- Nachkäufe laufen einfacher (z. B. Verbrauchsprodukte)
- Beratung wird individueller, ohne dass Nutzer ewig suchen müssen
Im B2B:
- Wiederbestellungen können automatisch vorbereitet werden
- Einkauf wird schneller, weil Agenten Angebote vergleichen und dokumentieren
- Freigabeprozesse werden einfacher, weil Warenkörbe „ready-to-approve“ sind
Und für Marken heißt das:
Du gewinnst nicht nur über Reichweite – sondern über Datenqualität + Verlässlichkeit + passende Signale.
Was Marketing jetzt konkret tun sollte ohne daraus ein Großprojekt zu machen
Du musst nicht „Agentic Commerce einführen“.
Aber du kannst dich in wenigen Schritten agent-ready machen.
1. Produktdaten konsequent aufräumen
- Variantenlogik sauber definieren
- Attribute vereinheitlichen (Größe, Material, Kompatibilität etc.)
- Lieferzeiten & Verfügbarkeiten zuverlässig pflegen
- Medien mit Kontext anreichern (was sieht man, wofür ist es relevant?)
2. Inhalte so schreiben, dass sie Antworten liefern
- kurze Definitionen
- klare Vergleichspunkte
- strukturierte FAQ
- Einsatzszenarien statt nur Werbetext
3. Strukturierte Daten ausbauen
- Produkte, Services, Organisation, FAQ
- konsistente Daten über alle Seiten hinweg
4. Trust sichtbar machen
- Cases mit Ergebnissen
- klare Kontaktmöglichkeiten
- nachvollziehbare Bedingungen (Versand, Rückgabe, Support)
5. „Agenten-Journey“ mitdenken
Statt nur „User Journey“:
- Welche Informationen braucht ein Agent für eine Entscheidung?
- Welche Ausschlusskriterien gibt es?
- Was sind typische Entscheidungsparameter (Zeit, Preis, Verfügbarkeit, Kompatibilität)?
Wer jetzt die Basics sauber macht, gewinnt später doppelt:
- bessere Performance heute (SEO, Conversion, Datenqualität)
- bessere Auffindbarkeit morgen (Agenten-Auswahl, KI-Interfaces)
Agentic Commerce ist nicht einfach ein neues Feature.
Es ist ein neues Einkaufsverhalten – und damit ein neuer Sichtbarkeitsmechanismus.
Neugierig geworden?
Wenn Sie wollen, können wir gemeinsam prüfen, wie „agent-ready“ Ihr Setup aktuell ist – von Produktdaten über Content bis Tech-Basis.
Ohne Buzzword-Beratung, sondern mit einem klaren Plan, was wirklich Wirkung bringt.
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